Yoga und Leistungsfähigkeit: Was regelmäßiges Üben mit Performance unter Belastung zu tun hat

„Yoga und Performance Coaching, wie passt das eigentlich zusammen?“ Diese Frage höre ich ziemlich oft von Menschen, die meine Arbeit noch nicht kennen.

Das überrascht mich nicht. Yoga wird häufig mit Entspannung, Dehnen und Runterfahren verbunden. Gleichzeitig gibt es das völlig andere Bild vom Yoga: schwierige Körperhaltungen, für die man besonders beweglich, kräftig und trainiert sein muss.

Beides kann im Yoga vorkommen. Für mich greift beides aber zu kurz.

Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Yoga und heute auch sehr intensiv mit dem Thema Leistungsfähigkeit. Für mich liegen diese beiden Bereiche gar nicht so weit auseinander. Nicht, weil Yoga dazu dienen soll, noch mehr zu leisten. Und auch nicht, weil eine regelmäßige Yogapraxis automatisch leistungsfähiger macht.

Die Verbindung liegt für mich an einer anderen Stelle.

Yoga ist ein Übungsweg. Wir lernen wahrzunehmen, wo wir gerade stehen. Was passiert in meinem Körper? Wie ist mein Atem? Wie ist mein geistiger Zustand? Was ist heute möglich? Wo fordert mich etwas heraus und wo liegt tatsächlich meine Grenze?

Genau diese Fragen finde ich auch interessant, wenn wir über Leistung sprechen.

Leistung bedeutet nicht immer, ein Ziel erreichen zu müssen
Wenn wir von Performance oder Leistung sprechen, denken wir schnell an Ergebnisse. Ein Ziel muss erreicht werden. Eine Aufgabe soll erledigt werden. Wir möchten etwas schaffen.

Auch Yoga verlangt durchaus etwas von uns. Ich muss üben. Ich muss mich immer wieder mit mir selbst auseinandersetzen. Ich brauche Aufmerksamkeit und eine gewisse Regelmäßigkeit.

Nur geht es dabei nicht darum, jemand anderem etwas zu beweisen oder möglichst schnell eine bestimmte Haltung zu erreichen.

Eine wichtige Frage ist für mich vielmehr: Wie gehe ich mit mir um, wenn etwas von mir verlangt wird?

Das kann eine körperlich anstrengende Haltung sein. Es kann aber genauso bedeuten, ruhig sitzen zu bleiben, meinen Atem wahrzunehmen oder zu beobachten, dass mein Geist gerade überhaupt nicht ruhig werden möchte.

Yoga zeigt mir immer wieder, wo ich gerade stehe.

Und genau das kann manchmal unbequemer sein als eine schwierige Körperhaltung.

Auf den Körper hören klingt einfacher, als es ist
Wir hören häufig den Satz: Hör auf deinen Körper.

Grundsätzlich finde ich diesen Gedanken richtig. Nur stellt sich für mich sofort die nächste Frage: Weiß ich überhaupt, was mein Körper mir gerade sagt?

Wenn ich während einer Übung denke, dass mir etwas nicht guttut, bedeutet das noch nicht automatisch, dass ich aufhören muss.

Tut es mir tatsächlich nicht gut? Habe ich Schmerzen? Bin ich erschöpft? Ist etwas lediglich ungewohnt? Ist es anstrengend? Bin ich unsicher? Oder glaube ich gerade, dass etwas nicht möglich ist, obwohl ich es vielleicht noch gar nicht ausprobiert habe?

Diese Unterschiede sind nicht immer leicht zu erkennen.

Genau hier kommt für mich eine Fähigkeit ins Spiel, die im Yoga sehr wichtig ist: Unterscheidungsfähigkeit.

Nicht jedes unangenehme Gefühl bedeutet, dass wir aufhören sollten. Gleichzeitig geht es auch nicht darum, körperliche Signale zu ignorieren und einfach weiterzumachen, weil wir uns vorgenommen haben, etwas unbedingt zu schaffen.

Wir lernen mit der Zeit genauer hinzuschauen.

Was ist gerade eine Herausforderung? Was ist Anstrengung? Was ist Unsicherheit? Was ist Müdigkeit? Und wann zeigt mir mein Körper tatsächlich eine Grenze?

Das ist keine Fähigkeit, die plötzlich da ist. Wir müssen sie üben.

Genau hier beginnt für mich die Verbindung zu Performance
Auch im Arbeitsalltag stehen wir ständig vor Anforderungen. Termine müssen eingehalten werden. Entscheidungen müssen getroffen werden. Verantwortung gehört dazu. Es gibt Phasen, in denen sehr viel gleichzeitig passiert.

Hohe Anforderungen sind dabei nicht automatisch etwas Negatives. Wir brauchen Herausforderungen. Wir können an ihnen wachsen. Und viele Menschen können auch über längere Zeit sehr viel leisten.

Interessant wird für mich eine andere Frage:
Wie bleiben Menschen unter realen Anforderungen leistungsfähig, ohne die Signale des eigenen Körpers permanent zu übergehen?

Denn auch hier brauchen wir Unterscheidungsfähigkeit.

Bin ich gerade gefordert oder bereits überfordert? Bin ich müde oder fehlt mir einfach die Motivation für eine bestimmte Aufgabe? Brauche ich Erholung? Kann ich noch klar denken und entscheiden? Was verändert sich in meinem Körper, wenn die Anforderungen über längere Zeit hoch bleiben?

Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort.

Menschen reagieren unterschiedlich. Lebenssituationen unterscheiden sich. Auch unsere körperlichen und mentalen Ressourcen sind nicht jeden Tag gleich.

Deshalb beginnt es für mich mit Wahrnehmung.

Erst wenn ich überhaupt bemerke, wo ich gerade stehe, kann ich sinnvoll entscheiden, wie ich damit umgehen möchte.

Unser Körper gehört auch zur Leistungsfähigkeit
Im Arbeitskontext sprechen wir viel über Wissen, Kompetenzen, Konzentration, Motivation und Entscheidungen. Unser Körper wird häufig erst interessant, wenn etwas nicht mehr funktioniert.

Der Schlaf wird schlechter. Die Anspannung bleibt auch nach Feierabend. Der Atem verändert sich. Abschalten fällt zunehmend schwer. Die Erholung nach einem langen Arbeitstag reicht irgendwann nicht mehr aus.

Keines dieser Signale bedeutet für sich allein, dass ein Mensch nicht mehr leistungsfähig ist.
Menschen können erstaunlich lange funktionieren und weiterhin gute Arbeit leisten. Trotzdem liefern uns körperliche Veränderungen Informationen. Genau deshalb ist Körperwahrnehmung für mich kein Wellnessthema und auch kein Gegenpol zu Leistung.

Der Körper ist sowieso da. Auch während eines Meetings. Auch vor einer wichtigen Entscheidung. Auch während einer Präsentation. Auch wenn eine Deadline näher rückt.

Die Frage ist eher, ob wir ihn überhaupt noch wahrnehmen.

Warum Routinen gerade unter hohen Anforderungen hilfreich sein können

Ein weiterer Punkt verbindet für mich Yoga und Performance: regelmäßiges Üben.

Routinen spielen auch in anderen Leistungskontexten eine Rolle. Im Sport sind wiederkehrende Abläufe vor Wettkämpfen oder wichtigen Situationen selbstverständlich. Das Vertraute schafft Orientierung. Wir müssen nicht jedes Mal neu überlegen, was wir als Nächstes tun. Aufmerksamkeit kann stärker bei dem bleiben, was gerade wichtig ist. Genau diesen Effekt erlebe ich auch in meiner Yogapraxis.

Wenn ich regelmäßig übe, kenne ich bestimmte Abläufe. Ich kenne meinen Atem besser. Ich erkenne Spannungen schneller. Ich weiß, wie unterschiedlich sich mein Körper an verschiedenen Tagen anfühlen kann. Und genau das wird für mich interessant, wenn die Anforderungen steigen. Dann möchte ich nicht erst anfangen herauszufinden, was mir helfen könnte. Ich möchte auf etwas zurückgreifen können, das ich bereits kenne. Deshalb üben wir vorher. Nicht erst dann, wenn alles zu viel geworden ist.

Eine Praxis entsteht nicht erst in der Krise
An ruhigen Tagen fällt vieles leichter. Wir haben mehr Zeit. Vielleicht schlafen wir besser. Es gibt weniger Termine. Dann ist es oft auch einfacher, aufmerksam zu sein und gut für sich zu sorgen. Interessant wird es an den anderen Tagen.

Wenn Termine dicht aufeinander folgen. Wenn Entscheidungen anstehen. Wenn Verantwortung steigt. Wenn wenig Zeit für Erholung bleibt. Dann zeigt sich, ob wir Möglichkeiten kennen, wieder wahrzunehmen, wo wir gerade stehen.

Kann ich meinen Atem noch wahrnehmen? Merke ich, wie viel Spannung ich im Körper halte? Bemerke ich, dass meine Konzentration nachlässt? Oder realisiere ich erst sehr spät, dass ich seit Tagen nur noch funktioniere?

Eine regelmäßige Praxis nimmt mir hohe Anforderungen nicht ab. Sie sorgt auch nicht dafür, dass ich immer entspannt bin oder jede Situation souverän meistere. Aber sie gibt mir einen vertrauten Raum, in dem ich immer wieder übe, mich selbst wahrzunehmen. Das ist für mich einer ihrer größten Werte.

Yoga ist deshalb mehr als Entspannung nach der Arbeit
Gerade im Unternehmenskontext wird Yoga häufig als Ausgleich verstanden. Erst arbeiten wir. Danach machen wir Yoga, damit wir entspannen. Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Regeneration ist wichtig. Für mich bleibt Yoga aber nicht auf diesen Ausgleich beschränkt. Auf der Matte kann ich beobachten, wie ich mit Anforderungen umgehe.

Was passiert, wenn etwas schwierig wird? Werde ich ungeduldig? Versuche ich unbedingt ein Ziel zu erreichen? Vergleiche ich mich? Gebe ich sehr schnell auf? Ignoriere ich eine Grenze? Was passiert mit meinem Atem, wenn es anstrengend wird? Das sind Erfahrungen, die nicht auf der Yogamatte bleiben müssen. Für mich wird Yoga dadurch zu einem Übungsraum. Nicht für mehr Leistung um jeden Preis.
Sondern für Wahrnehmung, Unterscheidungsfähigkeit und einen bewussteren Umgang mit den eigenen Möglichkeiten.

Wie passen Yoga und Performance Coaching also zusammen?
Für mich treffen sich beide dort, wo Menschen lernen, mit Anforderungen umzugehen.

Yoga macht einen Menschen nicht automatisch leistungsfähiger. Leistungsfähigkeit hängt von vielen Faktoren ab. Schlaf, körperliche Gesundheit, Motivation, Kompetenzen, Arbeitsbedingungen, Beziehungen, Regeneration und die persönliche Lebenssituation spielen ebenfalls eine Rolle.
Eine regelmäßige Yogapraxis kann aber einen Raum schaffen, in dem wir etwas üben, das auch unter hoher Belastung relevant ist: uns selbst wahrzunehmen.

Wir können lernen, Veränderungen früher zu erkennen. Wir können beobachten, wie wir auf Anstrengung reagieren. Wir können Routinen entwickeln. Und wir können unsere Fähigkeit stärken, zwischen Herausforderung, Anstrengung und einer tatsächlichen Grenze zu unterscheiden.
Genau dort verbindet sich meine langjährige Arbeit mit Yoga mit meiner heutigen Arbeit rund um Performance und Leistungsfähigkeit. Mich interessiert deshalb nicht nur die Frage, wie Menschen mehr leisten können.

Mich interessiert eine andere:
Wie bleiben Menschen unter realen Anforderungen leistungsfähig und handlungsfähig, ohne sich selbst dabei permanent zu übergehen?

Für mich beginnt die Antwort nicht mit noch mehr Leistung. Sie beginnt mit Wahrnehmung.

Ich begleite Führungskräfte und Teams dabei, unter Druck und in Phasen der Veränderung handlungsfähig zu bleiben, durch Nervensystem-Regulation, Selbstführung und einen klaren Blick auf die eigenen Werte. Wenn du in deinem Unternehmen gerade an genau diesem Punkt stehst, sprich mich gern an. Mehr Informationen findest du in Über mich.