Wie unser Nervensystem Tumore steuert und warum wir Stress neu bewerten müssen
Kürzlich bin ich auf einen faszinierenden Artikel der AOK gestoßen, der meine Sichtweise auf Stress und Gesundheit noch einmal stark bestätigt hat. Prof. Dr. Frank Winkler hat in seinen Forschungen entdeckt, dass Nervenzellen des Gehirns mit den Zellen von Tumoren kommunizieren. Das Nervensystem fungiert als „Meisterregulator“ in unserem Körper und kann sogar Krebs steuern. Es befeuert oder hemmt das Wachstum, die Metastasierung und die Resistenz gegen Therapien .
Diese Erkenntnisse aus der Krebs-Neurowissenschaft decken sich stark mit meinen eigenen Beobachtungen und Gedanken zum Thema Stress. Es würde mich nicht wundern, wenn in Zukunft Studien eindeutig belegen, dass Stress das Wachstum von Tumorzellen fördert.
Die Illusion vom positiven Stress
Bis heute gibt es ausreichend Belege dafür, dass lang anhaltende, dauerhafte Stressbelastung nicht förderlich für unsere Gesundheit ist – weder körperlich noch mental. Der Ausdruck „positiver Stress“ ist daher irreführend. Nach meiner Erfahrung in der Arbeit mit Klientinnen und Klienten gibt es keinen positiven Stress.
Denn: Wenn wir uns sicher fühlen und, wie Michael Allison es beschreibt, in der Play Zone sind, dann sind wir präsent, fühlen uns sicher und verbunden. Aus diesem Zustand heraus nehmen wir Herausforderungen, Wettkämpfe oder Aufgaben an. Für Außenstehende mag das wie Stress aussehen, aber für uns selbst ist es ein Zustand der Sicherheit und Leistungsfähigkeit. Daher finde ich den Begriff positiver Stress schwierig.
Stress als Signal fehlender Sicherheit
Stress ist vielmehr ein Signal des Körpers, sich nicht sicher zu fühlen. Das wiederum löst gewisse Mechanismen im Körper aus. Unser Stressnervensystem, der Sympathikus, wird aktiviert. Und anscheinend hat dies auch eine Auswirkung auf Krebszellen, da der Sympathikus in den meisten Fällen das Tumorwachstum anregt.
Müssten wir mit dem Wissen um diese Forschungsergebnisse nicht versuchen, viel mehr mit dem Nervensystem zu arbeiten und lernen, es zu verstehen? Ich bin mir sicher, dass uns dieses Verständnis helfen kann, besser mit Herausforderungen umzugehen und unsere Gesundheit nachhaltig zu schützen. Darum arbeite ich mit vielen meiner Kunden auch genau an diesem Verständnis.
Ein neues Verständnis für unsere Gesundheit
Wir müssen aufhören, Dauerstress als normalen Zustand zu akzeptieren oder ihn gar als „positiv“ umzudeuten. Wahre Leistungsfähigkeit entsteht aus einem regulierten Nervensystem, das Sicherheit erfährt.
Quelle: AOK